Marktstruktur im Trading einfach erklärt

Von Johannes Graf · aktualisiert am 20.10.2026 · Lesezeit 4 Minuten

Kurz gesagt: Marktstruktur ist das Bild aus Hochpunkten und Tiefpunkten im Chart. Daran erkennst du den Trend: Macht der Markt immer höhere Hochs und höhere Tiefs, geht's nach oben. Macht er tiefere, geht's nach unten. Das ist nicht schwer, die meisten machen es sich nur zu kompliziert.

Lieber schauen statt lesen? Mein Video: 99 % der Trader scheitern, weil sie Marktstruktur nicht verstehen!

Hochpunkte und Tiefpunkte erkennen

Ein Tiefpunkt ist eigentlich nur ein Muster aus zwei Kerzen: Eine Kerze geht nach unten, die nächste wieder nach oben. Beim Hochpunkt ist es genau andersherum.

Verbindest du diese Punkte, siehst du schon den Trend.

Skizze aus Johannes' Video: eingekreiste Hoch- und Tiefpunkte, die zusammen einen Aufwärtstrend bilden, rechts ein Abwärtstrend
Links ein Aufwärtstrend: Jedes Hoch (Kreis oben) und jedes Tief (Kreis unten) liegt höher als das davor. Rechts das Gleiche nach unten.

Impuls und Korrektur

Der Markt läuft nie in einer geraden Linie. Er bewegt sich immer im Wechsel: eine starke Bewegung in Trendrichtung, der Impuls. Dann ein Stück zurück, die Korrektur. Dann der nächste Impuls.

Skizze: Zickzack nach oben, lange Linien als Impuls, kurze Rücksetzer als Korrektur
Impuls, Korrektur, Impuls, Korrektur. Die langen Linien nach oben sind die Impulse, die kurzen nach unten die Korrekturen.

Woran erkenne ich eine echte Korrektur? Am 50-%-Level

Dafür nehme ich das Fibonacci-Tool und ziehe es vom Tiefpunkt zum Hochpunkt der Bewegung. Die Linie in der Mitte ist das 50-%-Level.

Kommt der Markt ungefähr bis dorthin zurück, gehe ich von einer Korrektur aus. Danach läuft er sehr oft weiter in Trendrichtung.

Fibonacci-Tool vom Tief zum Hoch, der Preis kommt bis zum 50-Prozent-Level zurück und steigt danach weiter
Fibonacci vom Tief zum Hoch: Der Markt läuft zurück bis ungefähr zum 50-%-Level (orange Linie) und von dort weiter nach oben.
Merk dir: Impuls in Trendrichtung, Korrektur bis ungefähr 50 %, dann der nächste Impuls.

Gratis-Kurs: Marktstruktur und Liquidität

Wie ich die Struktur Schritt für Schritt einzeichne, zeig ich dir in meinem kostenlosen Trading-Kurs.

Hier scheitern die meisten: zu viele Punkte

Im echten Chart sieht das nie so schön aus. Markierst du jedes kleine Hoch und Tief, hast du am Ende nur noch Durcheinander und weißt nicht mehr, wohin der Markt läuft.

Deshalb markierst du nur die wichtigen Punkte. Plötzlich ist der Trend wieder klar.

Links ein klarer Zickzack aus wenigen wichtigen Punkten, rechts ein unruhiger Verlauf mit vielen kleinen Punkten
Rechts: jedes kleine Hoch und Tief markiert, das ist Durcheinander. Links: nur die wichtigen Punkte, und du siehst sofort den Trend.

Alles zwischen Hoch und Tief ist erst mal egal

Stell dir über dem letzten wichtigen Hoch und unter dem letzten wichtigen Tief zwei dicke rote Linien vor. Alles, was dazwischen passiert, ignorierst du.

Du wartest nur darauf, welche der beiden Linien der Markt zuerst bricht. Bricht er oben raus, geht der Aufwärtstrend weiter.

Skizze: zwei rote Linien über dem Hoch und unter dem Tief, dazwischen ein Zickzack, am Ende Ausbruch nach oben
Zwischen den zwei roten Linien zappelt der Markt hin und her, das ist egal. Erst der Ausbruch oben zeigt: Der Trend geht weiter.

Wann ist die Struktur gebrochen?

Wenn der Markt das letzte wichtige Hoch oder Tief nimmt. Für mich zählt der Bruch erst, wenn eine Kerze darüber oder darunter schließt. Ein Docht, der kurz drüber sticht und zurückkommt, ist eher ein Liquidity Sweep.

Auf Englisch heißt dieser Bruch Break of Structure, kurz BOS. Bricht der Markt gegen den bisherigen Trend, kann das der Anfang eines Trendwechsels sein.

Echter Chart: zwei rote Linien markieren Hoch und Tief, der Preis kommt bis zum 50-Prozent-Level zurück und bricht danach das Tief
Echter Chart im Abwärtstrend: oben das Hoch, unten das Tief (rote Linien). Der Markt kommt bis zum 50-%-Level zurück (Kreis) und bricht danach das Tief. Die Abwärtsstruktur geht weiter.
Risikohinweis: Trading ist hochspekulativ und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Ergebnisse garantieren keine zukünftigen Gewinne. Keine Anlageberatung. Vollständiger Risikohinweis

Wofür brauche ich das?

Die Marktstruktur sagt dir, in welche Richtung du traden solltest. Der Trend ist dein Freund. Im Abwärtstrend suche ich Shorts, im Aufwärtstrend Longs.

Zusammen mit der Liquidität weißt du dann auch, wo der Markt als Nächstes hinwill. Übe das Einzeichnen erst im Backtest: Spul den Chart an eine zufällige Stelle, markier die Struktur und schau, was danach passiert.

Häufige Fragen zur Marktstruktur

Was ist Marktstruktur im Trading?

Die Abfolge von Hochpunkten und Tiefpunkten im Chart. Höhere Hochs und höhere Tiefs zeigen einen Aufwärtstrend, tiefere Hochs und tiefere Tiefs einen Abwärtstrend.

Was ist ein Break of Structure (BOS)?

Der Bruch der Struktur: Der Markt schließt über dem letzten wichtigen Hoch oder unter dem letzten wichtigen Tief. Für mich zählt dabei der Schlusskurs der Kerze, nicht der Docht.

Was ist ein Change of Character (CHoCH)?

So nennen manche einen Bruch gegen den bisherigen Trend, also das erste Zeichen für einen möglichen Trendwechsel. Ich halte es einfach: Bricht der Markt das wichtige Tief im Aufwärtstrend, ist der Aufwärtstrend erst mal vorbei.

Auf welchem Timeframe zeichne ich die Struktur ein?

Fang mit einem größeren Timeframe an, zum Beispiel dem Stunden-Chart. Zoom raus und markier nur die großen Punkte. Je kleiner der Timeframe, desto mehr Durcheinander siehst du.

Bevor du die nächste Struktur einzeichnest

Schau dir an, wie ich es mache. Im kostenlosen Trading-Kurs geht's der Reihe nach von der Marktstruktur bis zum Einstieg.

Johannes Graf, Gründer von Tradolusion

Über den Autor. Johannes Graf ist Gründer von Tradolusion, seit fünf Jahren Trader und seit drei Jahren hauptberuflich. Als Daytrader handelt er mit Fokus auf Liquidität, Marktstruktur und Sessions. Mehr über Johannes Graf