Liquidität im Trading einfach erklärt

Von Johannes Graf · aktualisiert am 15.10.2026 · Lesezeit 4 Minuten

Kurz gesagt: Liquidität ist nichts anderes als die Orders der Trader im Markt. Jedes Mal, wenn jemand in einen Trade reingeht oder wieder rausgeht, zum Beispiel über seinen Stop-Loss oder Take-Profit, entsteht so eine Order. Große Marktteilnehmer wie Banken oder Hedgefonds brauchen genau diese Orders, um selbst in den Markt zu kommen. Denn für jeden Käufer braucht es auf der anderen Seite einen Verkäufer.

Lieber schauen statt lesen? Mein Video: Liquidität EINFACH erklärt in 8 Minuten

Was ist Liquidität überhaupt?

Liquide sein heißt flüssig sein. Dein Geld liegt auf dem Konto und steckt nicht irgendwo in einer Immobilie fest.

Im Trading ist das genauso. Liquidität ist das Geld, das im Markt bereitliegt, und zwar in Form von Orders. Im Markt gibt es ganz grob zwei Gruppen: die Großen wie Banken und Hedgefonds, und Trader wie du und ich.

Warum brauchen die Großen deine Orders?

Stell dir vor, eine Bank will für eine Milliarde Euro Autos kaufen. Das klappt nur, wenn genug Leute ihre Autos auch verkaufen. Gibt es zu wenig Verkäufer, schießt der Preis nach oben, bevor die Bank überhaupt fertig gekauft hat.

Im Trading ist es genau dasselbe. Für jeden Käufer braucht es einen Verkäufer. Die Bank braucht also eine Stelle im Chart, an der auf einen Schlag ganz viele Orders liegen. Und die findet sie dort, wo die meisten Trader ihren Stop-Loss haben.

Wo liegt die Liquidität im Chart?

Ganz simpel: über klaren Hochpunkten und unter klaren Tiefpunkten.

Skizze: Linie über einem Hochpunkt und Linie unter einem Tiefpunkt, dort liegt die Liquidität
Links ein Hoch, rechts ein Tief. Die Linie darüber und darunter zeigt dir, wo die Liquidität liegt.

Warum genau da? Weil fast jeder Trader seinen Stop-Loss dorthin setzt. Wer short geht, setzt den Stop über das letzte Hoch. Wer long geht, setzt ihn unter das letzte Tief.

Skizze aus Johannes' Video: Einstieg beim Ausbruch, Stop-Loss über dem Hoch, danach läuft der Preis genau in diese Stops
Ein typischer Ausbruchs-Trade: Einstieg beim Ausbruch (BO), Stop-Loss (SL) über dem Hoch. Danach läuft der Preis genau dorthin, wo die Stops liegen.
Merk dir: Stop-Loss = Liquidität. Je klarer ein Hoch oder Tief, desto mehr Stops liegen dahinter.

Gratis-Kurs: Liquidität verstehen

Wie ich Liquidität im Chart markiere, zeig ich dir Schritt für Schritt in meinem kostenlosen Trading-Kurs.

Was macht der Markt mit der Liquidität?

Er läuft in diese Stops rein wie ein Magnet. Die Stops werden ausgelöst, die Trader fliegen aus dem Markt, und die Großen haben ihre Orders.

Live-Chart aus Johannes' Video: eingekreiste Hochs mit Stops darüber, der Preis holt zuerst ein Tief links ab und läuft dann nach oben
Live-Beispiel im 5-Minuten-Chart: Über den eingekreisten Hochs liegen die Stops. Der Markt holt sich zuerst noch die Stops unter dem Tief links (Pfeil). Danach schießt er nach oben, direkt in die Stops über den Hochs.

Ich vergleiche das gern mit einem Gummiband. Es wird gespannt, gespannt, und dann losgelassen.

Holt der Markt die Stops ab und dreht danach, nennt man das einen Liquidity Sweep.

Stunden-Chart: Der Preis fällt bis unter das alte Tief, holt dort die Stops ab und dreht danach stark nach oben
Stunden-Chart: Unten liegt ein altes Tief (rote Linie). Der Markt läuft genau dorthin, holt die Stops ab und dreht danach komplett nach oben.

So trade ich das: zwei Fragen

Am Ende musst du dir nur zwei Fragen stellen:

  1. Wo liegt die Liquidität?
  2. Wie trade ich in diese Liquidität rein?

Die Liquidität markierst du am besten im 5- oder 15-Minuten-Chart, nicht im 1-Minuten-Chart. Dann schaust du, wohin der Trend läuft. Im Abwärtstrend liegt dein Ziel unter den Tiefs.

Für den Einstieg warte ich auf meinen Order Block. Den Stop-Loss setze ich über das Hoch, den Take-Profit einfach an die nächste Liquidität.

Einer von Johannes' Trades im 5-Minuten-Chart: Short-Einstieg oben, Ziel an der Liquidität unter dem Tief
Einer meiner Trades im 5-Minuten-Chart: Einstieg oben im Order Block, Stop über dem Hoch, Take-Profit an der Liquidität unter dem Tief.
Risikohinweis: Trading ist hochspekulativ und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Ergebnisse garantieren keine zukünftigen Gewinne. Keine Anlageberatung. Vollständiger Risikohinweis

Ganz ehrlich: Das klappt nicht jedes Mal. Du kannst alles richtig machen und dein Trade geht trotzdem nicht auf. Deshalb heißt es: Übung, Übung, Übung. Markier eine Woche lang jeden Tag die Liquidität im Backtest oder im Demokonto und schau abends, wo der Preis hingelaufen ist.

So sieht das an einem meiner Gold-Trades aus:

Mein Video: So habe ich 1.500€ mit Gold verdient

Risikohinweis: Trading ist hochspekulativ und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Ergebnisse garantieren keine zukünftigen Gewinne. Keine Anlageberatung. Vollständiger Risikohinweis

Häufige Fragen zur Liquidität im Trading

Was ist Liquidität im Trading einfach erklärt?

Liquidität sind die Orders der Trader im Markt. Im Chart meint das vor allem die Stop-Losses über Hochs und unter Tiefs. Dorthin läuft der Preis oft, bevor er dreht oder weiterläuft.

Wo liegt Liquidität im Chart?

Über klaren Hochpunkten und unter klaren Tiefpunkten. Dort setzen die meisten Trader ihren Stop-Loss.

Was ist ein Liquidity Sweep?

Der Markt holt die Stops über einem Hoch oder unter einem Tief ab und dreht danach. Die Stops sind weg, die Bewegung geht in die andere Richtung.

Brauche ich einen Indikator, um Liquidität zu sehen?

Nein. Hochs und Tiefs siehst du im ganz normalen Chart. Mein Tradolusion-Indikator zeichnet mir die Liquidität automatisch ein. Das hilft, ersetzt aber nicht, dass du es selbst verstehst.

Bevor du die nächste Liquidität markierst

Schau dir an, wie ich es mache. Im kostenlosen Trading-Kurs geht's der Reihe nach, von den Basics bis zur Magischen Roten Box.

Johannes Graf, Gründer von Tradolusion

Über den Autor. Johannes Graf ist Gründer von Tradolusion, seit fünf Jahren Trader und seit drei Jahren hauptberuflich. Als Daytrader handelt er mit Fokus auf Liquidität, Marktstruktur und Sessions, vor allem Gold und Forex. Mehr über Johannes Graf