Backtesting einfach erklärt: so teste ich mein Setup

Von Johannes Graf · aktualisiert am 03.11.2026 · Lesezeit 4 Minuten

Kurz gesagt: Backtesting heißt, eine Trading-Strategie an vergangenen Kursdaten durchzuspielen, bevor du echtes Geld riskierst. Du gehst Trade für Trade durch den Chart, hältst dich an deine Regeln und schreibst jedes Ergebnis ins Trading-Journal.

Was ist Backtesting im Trading?

Du spulst den Chart in die Vergangenheit und blendest alles rechts davon aus. Dann spielst du den Markt Kerze für Kerze ab, als würde er gerade live laufen.

Jeden Trade, den deine Regeln erlauben, trägst du mit Einstieg, Stop und Ziel ein. So siehst du in kurzer Zeit, ob dein Setup über viele Beispiele trägt.

Backtest oder Demokonto?

Der Backtest ist schnell. In einer Stunde siehst du Tage oder Wochen Markt. Das Demokonto läuft in echter Zeit, mit echtem Spread und echtem Warten.

Meine Reihenfolge: erst Backtest, um zu sehen, ob das Setup trägt. Dann Demokonto, um zu sehen, ob ich es live umsetze. Dann klein mit echtem Geld.

So läuft ein Backtest bei mir ab

  1. Zufälligen Tag wählen. Ich lasse mir einen Tag zufällig geben, statt mir einen auszusuchen. Im Video ist es der 17. April 2025.
  2. 1-Stunden-Chart: Trend bestimmen und die Ziele auf dem höheren Timeframe markieren.
  3. 5-Minuten-Chart ab London-Open um 8 Uhr: Wo liegt Liquidität, wurde sie schon abgeholt, gibt es eine Reaktion?
  4. Einstieg im 1-Minuten-Chart aus dem Order Block. Stop und Take-Profit lege ich fest, bevor ich weiter abspiele.
  5. Abspielen, nicht vorspulen. Kerze für Kerze, mit Teilgewinn und Stop auf Break-even, so wie ich es live auch mache.
  6. Jeden Trade ins Journal. Auch die Verluste und die Trades, die ich ausgelassen habe.
5-Minuten-Chart im Backtest mit farbig markierten Sessions: Asien, London und New York
Der Tag im 5-Minuten-Chart. Die farbigen Felder sind die Sessions. Die Trading-Sessions bestimmen, wann ich schaue. Die Asia-Session handle ich nicht.

Stop und Ziel stehen vor dem Abspielen

Bevor ich die nächste Kerze sehe, steht die Order mit Stop-Loss und Take-Profit. Erst dann spiele ich weiter.

Order-Fenster im Backtest: Verkaufsorder mit eingetragenem Stop-Loss, Take-Profit und Risiko in Prozent
Die Order im Backtest: Stop-Loss links, Take-Profit rechts, das Risiko rechnet die Software in Prozent vom Konto mit.

So kannst du dich nicht selbst betrügen. Wer den Stop erst setzt, nachdem er gesehen hat, wohin der Preis läuft, testet nichts.

Backtest-Trade: Kauf aus der Zone, grüner Zielbereich nach oben, Stop darunter
Ein Long aus dem Backtest. Läuft der Trade, nehme ich die Hälfte als Teilgewinn und setze den Stop-Loss für den Rest auf den Einstieg.

Gratis-Kurs: das Setup, das ich backteste

Was ich im Chart suche, bevor ich einen Trade eintrage, zeig ich dir im kostenlosen Trading-Kurs.

Wie viele Trades brauche ich?

Mehr als 100. Ein Trade sagt nichts, auch 10 sagen wenig.

Im Video-Backtest gewinne ich 4 von 9 Trades und liege trotzdem im Plus, weil die Gewinner größer sind als die Verlierer. Das zeigt den Mechanismus. Für ein Urteil über das Setup sind 9 Trades aber viel zu wenig.

Merk dir: Bewerte dein Trading über 100 Trades, nicht über einen. Warum das CRV dabei mehr zählt als die Trefferquote, steht auf der Seite Risikomanagement.
Risikohinweis: Trading ist hochspekulativ und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Ergebnisse aus Backtests sind simuliert. Vergangene Ergebnisse garantieren keine zukünftigen Gewinne. Keine Anlageberatung. Vollständiger Risikohinweis

Womit backteste ich?

Mit einer Backtest-Software oder dem Replay-Modus einer Chart-Software. Gute Programme rechnen Orders, Stop und Ergebnis gleich mit.

Wichtig ist nur eins: Du musst den Chart rechts ausblenden und Kerze für Kerze abspielen können.

Die häufigsten Fehler beim Backtesting

  1. Tage aussuchen. Wer nur Tage nimmt, an denen das Setup schön aussieht, testet sein Wunschergebnis.
  2. Nach rechts schauen oder vorspulen. Dann weißt du schon, was passiert.
  3. Regeln während des Tests ändern. Dann testest du am Ende fünf halbe Strategien statt einer.
  4. Zu wenige Trades. Unter 100 Trades entscheidet oft der Zufall.
  5. Spread und Gebühren weglassen. Live kostet jeder Trade etwas.
  6. Das Ergebnis für eine Garantie halten. Ein Backtest zeigt die Vergangenheit, nicht die Zukunft.

Häufige Fragen zum Backtesting

Was ist Backtesting im Trading?

Du spielst deine Strategie an vergangenen Kursdaten durch, Kerze für Kerze, und trägst jeden Trade so ein, als wäre er live. So prüfst du ein Setup, bevor du echtes Geld riskierst.

Wie viele Trades brauche ich für einen aussagekräftigen Backtest?

Mehr als 100. Bei weniger Trades kann eine kurze Glücks- oder Pechsträhne das Ergebnis bestimmen.

Was ist besser, Backtest oder Demokonto?

Beides, nacheinander. Der Backtest zeigt schnell, ob ein Setup trägt. Das Demokonto zeigt in echter Zeit, ob du es live umsetzt.

Ist ein guter Backtest eine Garantie für Gewinne?

Nein. Ein Backtest ist simuliert und zeigt die Vergangenheit. Live kommen Spread, Slippage und deine eigenen Gefühle dazu.

Bevor du backtestest

Lerne zuerst, was du im Chart suchst. Im kostenlosen Trading-Kurs geht's von Liquidität bis zum Einstieg aus dem Order Block.

Johannes Graf, Gründer von Tradolusion

Über den Autor. Johannes Graf ist Gründer von Tradolusion, seit fünf Jahren Trader und seit drei Jahren hauptberuflich. Als Daytrader handelt er mit Fokus auf Liquidität, Marktstruktur und Sessions. Mehr über Johannes Graf